Am 14. März ist es endlich soweit: Urlaub, und zwar zum Greifen nah. Zwischen 25°C Durchschnittstemperatur, den Füßen im Pazifik und entspannter Nackenmuskulatur liegt lediglich eine elfstündige Reise. Um 7:15 steigen wir in den Flieger nach London. Nach kurzem Frühstücksaufenthalt geht es dann auch direkt weiter nach San Francisco. Und als wäre nichts gewesen, landen wir um 14:50 Ortszeit in der, wie ich jetzt mit leuchtenden Augen sagen kann, schönsten Stadt der Welt. Die begrüßt uns mit strahlendem Sonnenschein und einem riesigen Mietwagen, der aber nach amerikanischen Verhältnissen sicher ein vollkommen gängiges Format hat. Vor unserem Hotel in der Post Street nimmt uns ein Page das riesige Auto ab und erspart damit eine krampfhafte Parkplatzsuche. Ach Amerika, lass uns Freunde sein. Aus dem 10. Stock des Kensigton Park Hotels fällt der Blick durch eine Häuserschlucht auf das tolle, hügelige und in der Abenddämmerung glühende San Francisco. Erst jetzt wird mir so richtig klar: Mädchen, du hast frei. Kein Rechner, kein Handy, keine Klingel. Dafür amerikanische Dollar in der Tasche, meine Rayban auf der Nase, die seit Weihnachten auf Sonnenstrahlen wartet und offene Schuhen an meinen blassen Füßen.
Ich könnte jetzt damit weitermachen jede Minute dieser Reise im Detail zu beschreiben, denn mir ist jeder Moment in mein glückliches Hirn gebrannt. Aber ich tue euch den Gefallen und versuche die Höhepunkte in Bild und Wort zusammenzufassen. Etwas, was jeden Morgen zu einem Höhepunkt gemacht hat ist definitiv das amerikanische Frühstück. Für mich bedeutet das allerdings kein Gravy, Beans, Bacons, Sausage und was es da noch alles so gibt. Nein, meine Passion für amerikanische Pancakes konnte ich während dieses Urlaubs hemmungslos intensivieren. Weit an die Spitze der Pancake Skala hat es dabei der Blueberry Buttermilk Pancake in Dottie‘s True Blue Café geschafft. Fragt Sebastian, ich habe während des kompletten Frühstücks gesummt – ein gutes Zeichen.
Irgendwann während unserer Reise habe ich Lisa eine SMS geschrieben. Ungefährer Inhalt: „Alles ist toll, shiny und voller Sirup.“ Und so hätte ich mich nicht mal mehr gewundert, wenn der Telegraph Hill, den wir am 2. Tag bei brennender Sonne besteigen auch mit Sirup übergossen gewesen wäre. Allerdings erwartet uns dort etwas anderes. Eine botanische Oase mitten in dieser wirklich urbanen Stadt. Ein kleiner aber steiler Hügel voller kleiner süßer Häuser, vollkommen bewachsen mit exotischen Blumen, Pflanzen und Palmen. Unzählige Stufen führen uns auf die Spitze und wer mich kennt weiß – ich bin nicht die geborene Treppensteigerin, aber die Neugier, was da so alles noch kommen mag, lässt mich den Berg erstaunlich schnell erklimmen. Und oben werde ich dann auch belohnt. Mit einem einwandfreien 360° Blick über Stadt und Meer. Das ist der erste Moment, wo mich der Gedanke durchzuckte einfach hierzubleiben. Irgendwer wird in Deutschland meine Sachen schon in einen Container packen, das klappt sicher.
Vom Telegraph Hill aus sehe ich das erste Mal Alcatraz. Eigentlich bin ich kein großer Fan touristischer Ausflüge, aber dieses Gefängnis ist nur zu empfehlen. Die kleine Insel wird an diesem Tag von nicht enden wollendem Sonnenschein bestrahlt und auf dem kleinen Boot voller Touristen halten wir unsere Nasen in den Salzwasserwind. Ich kann einfach nicht aufhören Fotos zu machen, das glaubt mir doch sonst keiner. Wir legen an und ich setze meine Plattfüße auf dieselbe Erde über die bis in den 60ern Schwerverbrecher ihre Kugeln gezogen haben. Irgendwie schon ein wenig gruselig, da hilft auch all die Sonnenwärme nichts, ich bin schon ein wenig zittrig. Hinter den dicken Mauern ist es richtig kalt und ein wirklich fantastisches Audiobuch führt uns durch Zellen, Speisesaal und Verwaltungsräume. Auf englisch berichten je 4 ehemalige Werter und Gefangene von ihrer Zeit auf Alcatraz. Von gelungenen und gescheiterten Ausbrüchen, von zuviel Spaghetti und Dunkelzellen. Nach 2 Stunden bin ich froh wieder an der Sonne zu sein.
Das Gegenteil einer dieser Dunkelzellen, in denen sich ein Gefangener die Zeit vertrieb, indem er einen Knopf immer in die Höhe warf und ihn dann im Dunkeln auf allen Vieren wiederzufinden versuchte, ist Chinatown. Chinatown ist so richtig schon shiny, bunt und kitschig. Alles bewegt sich irgendwie, glitzert und wir laufen begeistert unter bunten Lampions zu einem unserer unzähligen Pancake-Dates.
Gerade erst ein paar Tage da, haben wir doch tatsächlich schon unseren Lieblingsstadtteil ausgemacht: Mission District. Alles ist ein wenig dreckiger als im Zentrum der Stadt. Dafür gibt es aber auch überall Schönes zu entdecken, wie zum Beispiel neben unzähligen Fixies die Tartine Bakery. So schön waren Kuchen, Cupcakes und sonstiges Gebäck noch nie und sie strotzen nur so von der Liebe, mit der sie gebacken wurden.
Klar, an der Golden Gate Bridge geht in San Francisco nicht nur sinnbildlich kein Weg dran vorbei. Wir fahren zweimal drüber und zwischendurch hoch auf einen Berg damit wir sie auch einmal im Stück sehen. Riesig ist das rote Stahlmonster.
Bevor wir die Golden Gate Bridge wieder zurück fahren besuchen wir die Muir Woods. Ich lasse mir doch nicht entgehen mich vor einen Mammutbaum zu stellen und ganz klein auszusehen. Normalerweise ist Natur für mich einfach nur schön, hier ist sie ganz schön beeindruckend. Wie die Sonnenstrahlen so zwischen den Bäumen hindurch auf Moos und Kleeblätter fällt – wie im Märchen, unser Urlaubsmärchen.
Nach 5 Tagen San Francisco beginnen wir unseren Roadtrip auf dem Pacific Coast Highway entlang der Pazifikküste. Wie der Name schon sagt, man schlängelt sich am Meer entlang hinunter bis kurz vor San Diego, wenn man will. Aber dass es so schön sein würde, kann ja keiner ahnen. Von oben die Sonne, schräg unter uns das türkise, glitzernde Meer. Dazwischen schöne weiße Möwen und mutige Surfer in Neoprenanzügen. Ich lege die nackten, mittlerweile schon braunen Füße auf Armaturenbrett, lasse das Fenster herunter und halte die Nase in den Fahrtwind. Ab und zu schaue ich rüber zu Sebastian wie er am Lenkrad sitzt, sein linker Arm immer brauner wird und sich wie ein kleiner Junge über die steilen Kurven freut. So lässt es sich leben. Es ist beinahe als würde ich irgendwo bequem sitzen und jemand würde all das Schöne dieser Erde an mir vorbeitragen.
Wir machen Halt in Monterey, einem idyllischen kleinen Örtchen, das wir erst zu Sonnenuntergang erreichen. Während eben diesem spazieren wir auf einem Golfplatz an der Küste entlang, beobachten mörderische Wellen beim lauten Brechen und versuchen ein paar letzte Blicke auf den Leuchtturm zu erhaschen. Eben dieser gibt unserer Lighthouse Lodge seinen Namen. Wir übernachten in einer traumhaften Suite. Balkon und Fenster zum Meer, ein Kamin am Sofa, einer am Bett, Hottub und Pool im Hof. Der HotTub und ich werden sofort Freunde. Während Sebastian im Pool seine Bahnen zieht, beobachte ich ihn dabei und lasse im heißen Wasser die letzten Tage passieren: Fantastisch.
Nach einem Spaziergang am Pier und Hafen von Monterey machen wir uns auf dem PCH weiter auf den Weg nach Pismo Beach. Aber erstmal machen wir halt in einer Art Golf Ressort: Pebble Beach. Hier finden jedes Jahr die US Open statt, sagt mir zumindest der Flyer, den man uns am Eingang in die Hand drückt. Hier frühstücken wir erstmal ausgiebig in der prallen Sonne, wovon ich einen vollen Magen und einen Sonnenbrand im Nacken davontrage. Dann heißt es aber wirklich: weiter nach Pismo Beach. Unser Weg führt uns über Santa Barbara, vorbei an felsigen Küsten und weiten Wiesen letztendlich in eine wunderschöne Anlage.
Mein Freund der Hot Tub wartet sprudelnd und mit Blick aufs Meer auf mich und ich halte mal wieder meine Nase in die untergehende Sonne. Abends gibt es BBQ, so richtig schön vom Holzgrill. Ich werde immer entspannter, obwohl ich schon vor Tagen dachte, dass das Limit erreicht ist.
Am nächsten Morgen heißt es wieder PCH. Heute ist streckenweise ein wenig neblig und wir haben heute die längste der 3 Strecken vor uns. Wir wollen diesmal vor Sonnenuntergang am Ziel sein – in L.A. Die Strecke heute ist die kurvigste, die ich, mal abgesehen von einer Busfahrt nach Österreich zum Skifahren, jemals gefahren bin und mir wieder ab und an ein wenig anders. Der Nebel hilft da auch nicht grad weiter.
Aber vielleicht gerade deshalb sind wir heute viel schneller da, als geplant und können schon am frühen Nachmittag in unser Zimmer auf dem Sunset Boulevard ziehen. Wir haben uns fest vorgenommen: Heute und morgen gucken wir uns noch Sachen an, danach heißt es Füße hoch oder eben in den Sand und Nichtstun. Deshalb haken wir im Schnelldurchlauf die Hollywood Hills, das Kodak Theatre und und die Getty Villa ab, fotografieren fleissig und lassen im Geiste schon einmal die Kreditkarte warmlaufen.
Nach 2 Nächten auf dem Sunset Boulevard ziehen wir in ein kleines Apartment am Venice Beach. Wie der Name der Straße sagt sagt, ist es uns am Ocean Front Walk möglich direkt am Wasser zu laufen und dafür brauchen wir nur einen Schritt aus der Tür machen. Jeden Tag beginnen wir mit einem fabelhaften Frühstück im Urth Caffe. Danach kann einfach nichts mehr schief gehen. Dementsprechend shoppen wir ordentlich und erfolgreich, besuchen den Melrose Place, bräunen uns am Malibu Beach, essen Suhshi, Steak und frischen Fisch, tanzen mit Janelle Monae im Viper Room und trinken nachts Rotwein und Bier auf unserer Dachterrasse.
Ich bin verliebt – in Kalifornien, in meinen Mann, in meine Freiheit und die Bräune auf Händen und Gesicht. Das machen wir wieder.
This entry was written by , posted on 30. März 2010 at 23:23, filed under Allgemeines. Leave a comment or view the discussion at the permalink.
Gerade die letzten Tage waren unglaublich stressig und ich bin nicht besonders gut darin runterzukommen. Die Energie, die ich im Job aufgebracht habe, um alles noch vor meinem Urlaub fertig zu bekommen, hält länger als der Job. Und ich stehe dann unter Strom. Gestern abend habe ich einen Teil dieser Energie in Weißweinschorle gesteckt, das hat geholfen. Denn jetzt kanns losgehen. Ich bin entspannt und bereit für jede super Sekunde, die auf mich wartet. Denn wenn man schon endlich Urlaub hat, sollte man jeden Moment davon genießen. Deshalb nun die letzte Weißheit zum Thema Urlaub: Bis in 2 Wochen.
This entry was written by , posted on 13. März 2010 at 12:13, filed under Allgemeines. Leave a comment or view the discussion at the permalink.
Richtig, der Gedanke an mein Leben auf einer verstaubten Videokassette lässt mir nicht grad die Brust stolz anschwellen. Und so ein Hollywoodreifes Leben schüttelt man ja auch nicht einfach so ausm Ärmel. Klar, ein paar Dinge hab ich schon hingekriegt, die sich gut verfilmen ließen. Zum Beispiel zu “Sebastian&Käthe – a real Hollywood Lovestory”. Aber jetzt brauch ich noch ein bißchen Action und Crazy und Mystery. Und für sowas ist Urlaub super. Denn 24/7 kriege ich wie gesagt die Lovestory sehr gut hin, aber für alles andere bleibt keine Zeit. Welche Szenen in den nächsten 2 Wochen gedreht werden, steht noch nicht im Drehbuch. Aber spontane und improvisierte sind eh die besten.
This entry was written by , posted on 12. März 2010 at 10:03, filed under Allgemeines. Leave a comment or view the discussion at the permalink.
Vor jeder Reise kaufe ich eine neue Handtasche. Ja ich weiß, auch ohne Reisen kaufe ich neue Handtaschen. Es beruhigt mich nun mal vor dem Flug mein Handgepäck in eine neue Tasche zu packen – andere nehmen Tabletten. Das ist die Tasche zu diesem Urlaub. Gerade erst einen Tag alt wurde sie bereits viel diskutiert. Die Empfindungen gingen von wunderbar bis abscheulich hässlich. Aber so ist das ja mit guten Taschen – sie polarisieren.
This entry was written by , posted on 11. März 2010 at 13:01, filed under Allgemeines. Leave a comment or view the discussion at the permalink.
Angefangen bei der Liste, die ich seit Wochen immer wieder aktualisere, über diverse gesammelte Restaurantempfehlungen bis hin zu sehr bedacht gewählt und bereits gebuchten Hotels bin ich natürlich durch und durch deutsch. Organisation ist alles und für mich auch tatsächlich essentiell, wenn sich irgendwann eine Entspannung einstellen soll. Früher waren meine Pläne unumwerflich, mittlerweile lasse ich in einem gewissen Radius Felixibilität zu. Das das ist vor allem Sebastians Verdienst. Denn der plant mindestens so gut wie ich und ich habe dann manchmal sogar Lust mich einfach zurückzulehnen, so ganz undeutsch. Aber egal wieviel Deutsch in mir schlummert, nur eine Kamera wird mich ab und an als Touristin outen, ich verzichte allerdings auf die Socken in den Sandalen und auch auf den Rucksack. Aber deutsch ist deutsch und so werde ich sicherlich immer mit einem Auge nach einem vernünftigen Brot oder einer Bratwurst Ausschau halten. Das ist genetisch und auch gut so.
This entry was written by , posted on at 09:03, filed under Allgemeines. Leave a comment or view the discussion at the permalink.